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Alte Hausmittel neu entdeckt


Bei harmlosen Beschwerden und Erkrankungen muss man nicht immer gleich in den Medikamentenschrank greifen. Oft sind altbewährte Hausmittel genauso wirksam und weniger belastend für den Körper.


Ein sehr häufiges Krankheitssymptom bei Kindern und Erwachsenen ist Fieber. Es entwickelt sich entweder schleichend über mehrere Stunden oder beginnt plötzlich mit Schüttelfrost.
Viele Menschen sind bei den ersten Anzeichen eines Schüttelfrosts sehr beunruhigt über die Symptome, rufen mich als Hausarzt an und bitten mich, gleich einen Hausbesuch zu machen und nachzusehen, was los ist.
Dabei ist Schüttelfrost eigentlich gar nichts Beunruhigendes, sondern eine völlig normale Abwehrreaktion des Körpers gegen Infektionserkrankungen. Das Schütteln entsteht durch kräftiges Zittern sämtlicher Muskeln, welches Wärme erzeugt. Der Körper will dadurch eine höhere Temperatur erzeugen als die normalen 37 °C Körperwärme, um die Bakterien oder Viren abzutöten, die in den Körper eingedrungen sind. Denn solche Krankheitserreger können höhere Temperaturen als 37 °C viel schlechter verkraften und sterben dann ab.

Fieber – eine sinnvolle Abwehrmaßnahme des Körpers


Die Erzeugung von Fieber ist also zunächst einmal eine sinnvolle Gegenreaktion des Körpers auf feindliche Eindringlinge, gesteuert durch unser Immunsystem. Wenn wir diese körpereigene „Kriminalpolizei“ nicht hätten, würden wir schon an der kleinsten Infektion zugrunde gehen.
Heute ist man es gewohnt, bei den kleinsten Beschwerden gleich zu einem Medikament zu greifen. Viele Menschen verstehen den Sinn eines Fiebers gar nicht mehr und sehen dies sofort als Bedrohung an, die sie so rasch wie möglich beseitigen möchten.
Man kann das Fieber mit einem Feuer vergleichen, welches man hüten muss. In sinnvolle Bahnen gelenkt, ist es heilsam, aber es muss auch beobachtet und betreut werden, damit es nicht zerstörerisch wirkt.

Also was tun bei Schüttelfrost?


Hier gilt es zunächst einmal, den Körper bei der Entwicklung von Fieber zu unterstützen. Denn vorläufig ist die Körpertemperatur noch normal – es besteht noch kein Fieber. Also sollte man sich jetzt ins Bett legen und warm zudecken. Man kann durchaus auch eine zweite Bettdecke benutzen und noch eine Wärmflasche mit dazugeben. Nach ein bis zwei Stunden werden Sie merken, dass das Frieren und Zittern nachlässt und der Patient zu glühen beginnt. Ihm ist heiß. Nun hat der Körper sein Ziel erreicht und eine höhere Temperatur erzeugt.

Ab wann kann Fieber gefährlich werden?


Jetzt gilt es, das Fieber zu messen. Ein Fieberthermometer gehört in jeden Haushalt – sei es ein Singlehaushalt oder eine Familie mit Kindern. Dies ist heute nach meinen Erfahrungen leider nicht mehr selbstverständlich.
Fieber bis 39,5 °C ist durchaus nicht gefährlich. Ab 40 °C wird das Fieber für den Menschen allerdings schon sehr belastend. Es wirkt sich auf den Kreislauf aus. Kinder können zu fantasieren beginnen.
Nun gilt es, das Fieber zu hüten, einen weiteren Anstieg zu vermeiden und den Körper etwas zu entlasten.
Die einfachste Maßnahme besteht darin, ein Fieberzäpfchen wie beispielsweise Paracetamol zu geben. Solche Medikamente bewirken, dass das Fieber durch einen biochemischen Prozess im Körper künstlich gesenkt wird. Der Patient fängt an zu schwitzen und kühlt dadurch ab. Dies kann bei älteren Patienten, die hohes Fieber kreislaufmäßig nicht mehr verkraften, oder auch bei kleinen Kindern sinnvoll sein, bei denen schon einmal ein Fieberkrampf aufgetreten ist und die durch hohes Fieber gefährdet sein könnten. Auch Temperaturen über 41° C sind lebensbedrohlich und sollten daher gesenkt werden.

Wadenwickel statt Fieberzäpfchen


Schonender als Paracetamol ist ein altes Hausmittel: der Wadenwickel. Er nimmt Wärme vom Körper des Menschen auf, kühlt ihn also und senkt dadurch das Fieber. Viele Menschen wissen aber gar nicht mehr, wie man einen Wadenwickel anlegt.
Zunächst einmal sollte man nach den Waden des Patienten fassen. Es kann nämlich sein, dass die Waden sich gar nicht heiß anfühlen, sondern eher kühl sind. In so einem Fall macht es überhaupt keinen Sinn, Wadenwickel anzulegen, denn es kann ja dann keine Wärme abgeführt werden. Wir Ärzte bezeichnen diesen Körperzustand als zentralisiert, d. h., Brust, Bauch und Kopf sind heiß und die Arme und Beine kalt. Fassen Sie dem Patienten an den Bauch, und Sie werden es spüren.
Als Nächstes sollten Sie ein feuchtes Baumwolltuch nehmen und mit lauwarmem Wasser tränken. Es braucht kein kaltes Wasser zu sein. Dieses ist unter Umständen (vor allem für Kleinkinder) viel zu unangenehm und erschreckend. Lauwarmes Wasser (unter 37 °C) reicht völlig aus. Durch den Temperaturunterschied von z. B. 36 °C zu 39 °C wärmt der Körper den Wadenwickel auf und gibt somit Temperatur ab. Dies geschieht aber relativ schnell; daher muss man die Wickel alle 10 bis 15 Minuten erneuern.
Auf das feuchte Baumwolltuch geben Sie bitte ein trockenes Baumwolltuch und decken den Patienten damit leicht zu.
Überhaupt braucht der Patient bei Fieber eine leichte Zudecke und kühle Getränke. Denn der Körper benötigt in dieser Situation wesentlich mehr Flüssigkeit. Insbesondere ältere Menschen trocknen bei Fieber leicht aus.

Wann zum Arzt?


Wann man den Hausarzt hinzuziehen muss, hängt von den Vorerkrankungen und vom Alter des Patienten ab.
Wenn ein bisher gesunder Mensch während einer Erkältungszeit im Winter Fieber entwickelt, ist ein Virusinfekt sehr wahrscheinlich, vor allem, wenn dann noch die typischen Symptome wie Husten, Schnupfen, Kopf- oder Rückenschmerzen hinzukommen. In so einem Fall kann man den Kranken ruhig mit einem Wadenwickel oder sonstigen fiebersenkenden Maßnahmen zu Hause versorgen.
Das Fieber muss am dritten Tag von allein wieder sinken. Ist dies nicht der Fall, muss man den Hausarzt rufen.

Eisbeutel und Kohlumschlag


Ein weiteres häufiges Problem sind Gelenkschmerzen. Sie können verschiedene Ursachen haben. Ein durch Quetschung, Stauchung oder Zerrung lädiertes Gelenk sollte man hochlagern, ruhigstellen und mit einem Eisbeutel versehen. Aber bitte den Eisbeutel nicht direkt auf die Haut geben! Das kann zu Erfrierungen führen. Legen Sie immer ein Baumwolltuch unter. Wenn der Eisbeutel aufgetaut ist, müssen Sie ihn erneuern, denn dann kühlt er ja nicht mehr.
Auch eine Arthrose (Gelenkverschleiß durch Abnutzung) kann sehr schmerzhaft sein. In so einem Fall ist es wichtig, zu prüfen, ob sich das Gelenk heiß anfühlt. Wenn ja, sind ebenfalls Kälteanwendungen wie z. B. ein Eisbeutel sinnvoll. Fühlt sich das Gelenk nicht heiß an, so ist eher Wärme anzuwenden.
Ein altbewährtes Hausmittel bei entzündeten (also heißen) Gelenken sind Kohlblätterumschläge.
Nehmen Sie einen Weißkohl, pflücken Sie ein paar Blätter davon ab, legen Sie sie auf ein Holzbrett und fahren Sie ein paarmal mit dem Wellholz darüber, damit die Blätter aufbrechen. Dann legen Sie die Blätter auf ein Baumwolltuch und wickeln dieses um das Knie des Patienten. Diese Maßnahme hat schon manche Tablette Diclofenac (Voltaren®) eingespart.

Fast immer wohltuend: der Bauchwickel


Wenn Arme und Beine des Patienten kalt, Brust, Bauch und Kopf hingegen warm sind, kann man einen Bauchwickel anlegen, um das Fieber zu senken. Dabei geht man genauso vor wie beim Wadenwickel.
Als Variante hat sich bei Darmkrämpfen funktioneller Art, Gallen- oder Magenbeschwerden der feuchtwarme Bauchwickel bewährt. Hierbei wird über ein mit heißem Wasser getränktes Baumwolltuch ein trockenes Tuch gelegt und zusätzlich noch mit einer Wärmflasche bedeckt. Die feuchte Wärme wirkt stark krampflösend und ist sehr wohltuend. Sollte sich keine Wirkung zeigen, muss man den Arzt rufen oder aufsuchen.



Autor: Dr. med. W. Bosch